Wir wollten uns schon ewig einen lange gehegten Traum erfüllen und einmal First Class fliegen. Die erste Frage bei diesem Vorhaben lautete natürlich, wie wir das jemals finanzieren. Da wir es uns niemals leisten könnten, eine solche Reise aus eigener Tasche zu zahlen, haben wir jahrelang Meilen gesammelt. Irgendwann hatten wir dann genug beisammen, um den Flug zu buchen, aber dann stellte sich die nächste Frage: Ist es möglich, in der First Class vegan zu speisen?

Dazu haben wir das Internet durchforstet und leider nichts gefunden. Natürlich können Speisewünsche vor dem Flug online eingegeben werden, aber Informationen, welche Gerichte serviert werden und ob es in der First Class vegane Mahlzeiten gibt, die besser sind als in den übrigen Klassen, suchten wir vergebens. Auch die Mitarbeitenden in der Hotline konnten uns nicht weiterhelfen. Also mussten wir im Selbstversuch ran.
First Class Terminal
Wir haben unseren ersten Erste Klasse-Flug mit der Lufthansa von Frankfurt nach Boston absolviert. Mit dieser Airline fängt das Erlebnis am Frankfurter Flughafen bereits mit dem First Class Terminal an. Wir wurden am Parkplatz persönlich abgeholt, unser Gepäck wurde eingecheckt und die Sicherheitskontrolle verlief mehr als entspannt. Dann bekamen wir zwei Badeentchen in die Hand gedrückt und durften die First Class Lounge betreten.

First Class Lounge
Die Lounge im First Class Terminal ist ein wirklich angenehmer Ort. Wie in den anderen Lounges stehen viele Sitz- und Ruhemöglichkeiten zur Verfügung und ein Buffet lädt dazu ein, sich in den Tag zu schmausen. Die Gerichte, die zur Auswahl stehen, sind köstlich. Viele der Dinge, die man sich selbst zusammenstellen kann, waren vegetarisch und einige auch vegan, darunter vor allem Ofengemüse, Antipasti und frisches Obst. Sowohl die Qualität des Essens und als auch der Abwechslungsreichtum sind deutlich höher als in den anderen Lounges der Lufthansa.


Im Gegensatz zu den anderen Lounges gibt es in der First Class Lounge ein Restaurant, in dem man bedient wird und Gerichte von einer Speisekarte auswählen kann. Auf unserem Menü fanden wir zwei vegane Bowls: eine Frühstücksbowl mit Saaten und Früchten sowie eine orientalische Falafel-Bowl. Zum Nachtisch kann ein Sorbet mit Beerenragout gereicht werden. Im Terminal ist First Class vegan also möglich, wenn auch begrenzt; allerdings waren die Buffetspeisen wirklich lecker. Zwei Cappuccini mit Sojamilch wurden uns – wie beispielsweise auch in der Business Class Lounge A26 – ohne Murren zubereitet. Hafermilch ist leider auch in der First Class Lounge Mangelware.

First Class alkoholfrei
Auch alkoholfreie Getränke wurden angeboten, darunter der süffige Aperitif Avionic der Brennerei Ziegler, den es auch in einer alkoholfreien Variante gibt und der mit Tonic Water oder Sekt der Marke Undone gemischt wird. Das Sortiment von Undone, von Sekt über Gin bis hin zu Rum ohne Alkohol, gibt es übrigens auch in den Business Class und den Senator Lounges am Frankfurter Airport. Aber zurück zum Thema First Class vegan, denn der eigentliche Spaß beginnt ja erst im Flugzeug.

Nachdem wir eine Weile den Service der First Class Lounge genossen haben, ging die Reise los – ein Taxi brachte uns und eine weitere Passagierin zum Flugzeug. Auch dort erwartete man uns wieder in gewohnt freundlicher Manier und wies uns unsere großzügigen Plätze zu, an denen uns auch das Menü erwartete.
Veganes Menü über den Wolken
Als Amuse Bouche wurde uns eine mit Hummus gefüllte und mit einer geschmorten Tomate dekorierte Zucchinirolle gereicht, die gut geschmeckt hat. Davor standen Oliven und Nüsse zum Knabbern bereit.

Zur Vorspeise erhielten wir drei verschiedene Speisen, allesamt vegan, die sehr lecker waren: Das Highlight war der marinierte Tofu auf schwarzen Linsen mit gegrillter Paprika. Ebenfalls köstlich war die Kürbiscreme mit grünem Spargel und Rote Bete-Apfel-Salat. Der Klassiker der Lounge-Gerichte durfte nicht fehlen: Kartoffelsalat und ein deftiges Törtchen. Dazu Brot und Margarine. Yummy.

Als Hauptgericht servierte uns eine sichtlich irritierte Flugbegleiterin Sojageschnetzeltes in Rahmsoße, dazu Brokkoliröschen und Karottenreis. Das schmeckte nicht gut und es stand den Vorspeisen in so ziemlich allem nach. Die Flugbegleiterin meinte, dass sie selbst weder wisse, was sie uns da eigentlich serviert, noch, wie sie es appetitlich anrichten soll. Wir schätzten die Ehrlichkeit und erfuhren, dass sich die Gäste der First Class vegan eher nicht ernährten. Der Vollständigkeit halber sei aber gesagt, dass das vegetarische Gericht ganz wunderbar und wie im Restaurant aussah. Dabei handelte es sich um einen bunten Blattsalat mit Granatapfel und Feta zur Vorspeise. Als leichtes Hauptgericht wurde Pasta vom Steinpilz mit Quitten-Birnen-Kompott, Shiitake-Pilzen und Walnuss-Pesto angeboten.


Der Nachtisch war ein veganes No bake-Küchlein mit einer Creme aus Mango, Maracuja und Kokos, garniert mit Himbeeren – im wahrsten Sinne des Wortes: himmlisch!
Schmausen jederzeit möglich
Nicht nur das Vier-Gänge-Menü schreibt sich die Erste Klasse auf die Fahnen. Es gibt nämlich den Service, jederzeit den ein oder anderen Happen zu schmausen.


Als Snack stand später noch eine Avocado-Terrine mit Tomaten, Gurken und gerösteten Saaten auf dem Menü, dazu Kürbisspalten mit einer Knoblauchcreme und Brot. Die Terrine war Geschmackssache und die Tatsache, dass die Saaten gesüßt waren, mehr als fragwürdig. Aber die Kürbisspalten waren wirklich wie frisch aus dem Ofen. Auf der Karte stand noch eine Kürbiscremesuppe mit gebratenen Pilzen, Ingwer und Chili. Für Veganer:innen gibt es eine Obstplatte und für Vegetarier:innen dazu eine Auswahl an Käse. Omnivore haben noch weitaus mehr Möglichkeiten.

Mit diesen vielen Angeboten vergeht die Zeit an Bord wie im Flug. Wir waren gut gesättigt und nach einem kleinen Nickerchen im ausgeklappten Bett erholt – und damit bereit für unseren Neuengland-Roadtrip.
Unser Fazit
Wichtig ist: Wer First Class fliegt und sich vegan ernährt, muss die Gerichte online vorbestellen. Auf vegetarische Alternativen könnt ihr immer ausweichen und euch auch Gerichte aus anderen Klassen servieren lassen, aber in der Regel ist kein veganes Menü in der Ersten Klasse vorgesehen. Unser Fazit: First Class vegan geht mit einigen Abstrichen. Aber was sagt meine Oma immer? „Man kann net mehr wie esse“ (wir kommen aus Hessen) – und da hat sie recht. Nach dem Lounge-Aufenthalt und den Vorspeisen waren wir schon pappsatt und mussten uns das Sojageschnetzelte nicht unbedingt geben.
